Dekanat Rüsselsheim

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        Interkulturelle Wochen Groß-Gerau

        Erinnern ist schmerzhaft und heilsam

        Heidi Förster

        Erinnerungen sind subjektiv, Kraftquell, identitätsstiftend und oft verfälscht. Darüber tauschten sich beim Abrahamischen Podium Religionsvertreter/innen aus Judentum, Islam und Christentum aus. Beim Gespächsabend im Ev. Gemeindehaus in Groß-Gerau wurde deutlich, wie unterschiedlich die Art des Erinnerns in den Religionen ist.

        Walter Ullrich, evangelischer Pfarrer im Ruhestand und Vorsitzender des Vereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V. betonte, dass man den Bruch des Nationalsozialismus nur überwinden könne, wenn man sich der Erinnerung stelle. Stolpersteine mit den Namen der verfolgten und ermordeten Juden vor ihren ehemaligen Häusern erinnern an deren Schicksal im Alltag.
        Petra Kunik von der jüdischen Gemeinde Frankfurt erzählte, wie Familien am Sederabend vor dem Pessah-Fest zusammenkommen, um sich gemeinsam an die Befreiung des jüdischen Volkes von der Sklaverei und den Auszug aus Ägypten zu erinnern. Dabei werde die Geschichte mit rituellen Speisen durchlebt und gegenwärtig. Es gehe darum,  nichts zu vergessen und historisch zu erinnern.

        Die türkische Dozentin und Journalistin Canan Topcu erinnerte an das  Aschura-Fest, bei dem ihre Mutter alljährlich eine köstliche Speise aus Hülsenfrüchten und Trockenobst gebacken hat und an Verwandte und Bekannte verteilte. Die Bedeutung dieses Festes, das mit Krieg, einer  traumatischen Wende und den Bruch zwischen Schiiten und Sunniten zur Folge hatte, wurde ihr erst später bewusst. Mit Tränen erinnerte Topcu, wie sie erst als Erwachsene erfuhr, dass in dem Dorf ihrer Großmutter die Moschee auf dem Grund einer armenischen Kirche erbaut worden war. Der Genozid an den Armeniern wurde verschwiegen. Erinnern ist schmerzhaft aber auch heilsam, brachte es Ökumene-Pfarrer Wolfgang Prawitz auf den Punkt. „Es geht darum, nichts zuzuschütten. Wir hatten nie das Paradies, aber wir können Fortschritte machen. Und zwar durch direkte Begegnungen der Religionen – und von Mensch zu Mensch.“

        Dies brachte auch ein Besucher des Abends, der als Flüchtling nach Deutschland kam, auf den Punkt: „Religion sollte das Ziel haben, dass wir uns annähern, uns unabhängig unserer Religion als Menschen begegnen und uns unterstützen.“

         

         

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