Dekanat Rüsselsheim

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        Gedenken der jüdischen Opfer

        Gegen das Vergessen

        Heidi Förster

        Gegen das Vergessen setzte sich am 9. November in Groß-Gerau der Schweigemarsch in Gedenken an die Reichspogromnacht vor 79 Jahren in Bewegung. Rund 120 Teilnehmer der Veranstaltung zeigten mit ihrem Weg vom Stadthaus durch die Darmstädter und die Frankfurter Straße hin zur Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Adolf-Göbel-Straße sowohl ihr Gedenken an die Opfer als auch ihre Präsenz gegen Fremdenhass in der Gegenwart.

        Heidi Förster

        Schüler der Prälat-Diehl-Schule trugen Befehlsschreiben der Reichsleitung vor, die belegen, wie grausam und systematisch die Nazis in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Zerstörung jüdischer Synagogen anordneten und die Greueltaten anschließend aufgebrachten Bürgern zuschrieben. Allein in Starkenburg wurden 36 Synagogen vernichtet, darunter auch die 1892 errichtete, dritte und letzte Synagoge in Groß-Gerau. Dekanin Birgit Schlegel betonte in ihrer Rede, dass es traurige und bittere Realität sei, dass auch 79 Jahre nach der Reichspogromnacht und 72 Jahre nach dem Dritten Reich unser Thema noch aktuell sei: „Nämlich das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus, unsere Fassungslosigkeit und Empörung darüber und unser Kampf dafür, dass sich dies nie wieder ereignen dürfe. Häuser und Wohnungen und Geschäfte jüdischer Mitbürger in Groß-Gerau wurden damals verwüstet und geplündert oder zumindest alle Scheiben eingeschlagen. Eine größere Zahl jüdischer Männer - und Jungs, der jüngste war gerade mal 16 Jahre alt – wurden verhaftet, erniedrigt und öffentlich hier im Ort gedemütigt. Sieben von ihnen wurden nach Buchenwald ins Konzentrationslager gebracht. Sieben von 30.756 Männern in Deutschland, die nach den akribisch geplanten und Ausschreitungen rund um die Reichspogromnacht in Konzentrationslagern verschwanden. Die Menschen, an die erinnert wird, lebten hier, überall in der Stadt. Sie waren ein Teil dieser Gesellschaft, bevor sie aus unserer Mitte herausgerissen wurden und in eine Spirale von Gewalt und Demütigung gerieten, ihr Eigentum, ihre Rechte, ihre Würde verloren und – wenn ihnen nicht rechtzeitig die Flucht gelang - zuletzt auch ihr Leben ließen. Wir können und wollen sie und das, was ihnen geschehen ist, nicht vergessen, auch wenn es schwieriger wird und wir neue Formen des Erinnerns und Weitergebens entwickeln müssen. Denn die allermeisten Zeitzeugen und Zeitzeuginnen leben ja nicht mehr.“

        Besinnlich, melancholisch und ergreifend umrahmte der Posaunenchor der Ev. Stadtkirchengemeinde die einzelnen Redebeiträge, ermöglichte den Teilnehmern, das Gehörte nachwirken zu lassen und sich gegen das Vergessen in stiller Andacht zu verbinden.  

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