Dekanat Rüsselsheim

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        Gedenken an Familien Marx und Guthmann

        Gegen das Vergessen

        Heidi Förster

        „Wir finden, dass solche Sachen nicht in Vergessenheit geraten sollen und wir werden alles dafür tun, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt.“ Dies sagten Schülerinnen und Schüler einer 9. Klasse der Martin-Buber Schule bei der Stolpersteinverlegung für die Familien Marx und Guthmann in der Frankfurter Straße 22 und 23.

        Heidi Förster

        Den etwa 70 Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung am 4. März 2017 brachten die Schüler anschaulich das Schicksal der beiden jüdischen Familien nahe, die ihrer gesamten Existenz beraubt wurden, fliehen mussten und nicht alle überlebten.
        Der Kaufmann Salomon Marx musste aufgrund des zunehmenden Judenhasses in Groß-Gerau seine Getreide-Mehl- und Futter-Großhandlung, die er mit seinen Brüdern betrieben hatte, aufgeben. Gemeinsam mit seinen Töchtern, seinem Schwager und der Enkelin gelang ihnen 1939 die Flucht in die USA.
        Auch die Familie Marx Guthmann, deren Kaufhaus für „Manufaktur- und Modewaren“ direkt gegenüber der Bürgermeisterei und Polizei lag, verlor ihre Existenz. Die Boykottparole „Kauft nicht bei den Juden“ vom 1. April 1933 führte zur Aufgabe ihres Geschäftes. Seinen Kindern Hilde und Erich gelang 1938 die Flucht in die USA. Marx Guthmann, seine Frau Frieda, seine ledige Schwester Sybilla Gerson und ihre Tochter Irene, damals 19 Jahre alt, wurden von Frankfurt in den Osten deportiert, nach Majdanek oder Sobibor. „Verschollen im Osten“, heißt es lapidar im Gedenkbuch des Bundesarchivs.

        Statements für Verantwortung und gegen Rechtspopulismus

        Walter Ullrich vom Förderverein für jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau erinnerte in seiner Rede daran, dass das Thema Nationalsozialismus nicht abgeschlossen sei. „Entscheidend ist für uns, dass wir Verantwortung übernehmen und das was damals geschah zu unserer Sache heute machen. Die Geschichte lebt unter uns“, so Walter Ullrich.
        Jochen Auer sagte im Namen des Magistrats der Kreisstadt: „Und wenn heute Rechtspopulisten, die „Höckes“ in ganz Europa mit ihren Parolen, Erinnerungen, Gedenken oder gar Entschuldigungen für Gräueltaten, für ihre schändlichen Zwecke uminterpretieren oder gar in Abrede stellen wollen, dann sollten wir uns mit aller Macht den Weltvergiftern entgegenstellen“. Auer betonte, dass wir mit jeder Stolpersteinverlegung sichtbar dazu beitrügen, dass unsere freie, demokratische, tolerante Gesellschaft in Deutschland und in Europa nicht zerstört werde.
        Pfarrer Wolfgang Prawitz erinnerte an die erste Stolpersteinverlegung am 16. November 2012 in der Darmstädter Straße 10 und zitierte die Worte des damals aus den USA angereisten Jay Kahn, dessen Eltern von den Nazis ermordet wurden: „Möge die Erinnerung an die diejenigen, die im Holocaust gestorben sind, uns auf den Weg der Gerechtigkeit führen. Es ist unsere ewige Pflicht.“ 
        Unter den Paten für die insgesamt 11 Stolpersteine waren auch die Besitzer der beiden Häuser, in denen die Familien einst wohnten. Ihnen wurde jeweils ein Urkunde überreicht. Für weitere Stolpersteinverlegungen werden dringend weitere Paten gesucht. Wer gerne eine Patenschaft für 120 Euro übernehmen möchte, wendet sich bitte an Pfarrer Wolfgang Prawitz unter der Mail-Adresse prawitz@t-online.de.

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

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