Dekanat Rüsselsheim

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        Ev. Zentrum für Interkulturelle Bildung

        Wiegenlieder aus aller Welt

        Heidi Förster

        Geschichten, Lieder und Gebete zur Guten Nacht, sie gibt es in allen Kulturen, um die Kinder sanft und geborgen in den Schlaf zu wiegen. Um Rituale und Lebensweisheiten aus unterschiedlichen Kulturen miteinander zu teilen, hatte Kristin Flach-Köhler im Evangelischen Zentrum für Interkulturelle Bildung am 7. September den Gemeinderaum in Mörfelden für Mütter und Kinder mit Kissen und Decken behaglich eingerichtet.

        Mütter aus Mörfelden, Pakistan, Ägypten, Montenegro, Sri Lanka und Italien waren mit ihren Kindern gekommen, um die anderen daran teilzuhaben zu lassen, mit welchen Gebeten, Reimen und Liedern ihre Kinder friedlich einschlafen. Als das erste Gute-Nacht-Lied, gesungen von Kirchenmusikerin Wiebke Friedrich und begleitet von Stefan Küchler am Klavier im Saal ertönte, wurde es still im Saal. Die Kinder kuschelten auf den Kissen mit ihren mitgebrachten Plüschtieren und auch auf den Gesichtern der Mütter breitete sich ein friedliches Lächeln aus. „Schlafe und werde alt, ninni, plappere langsam, halte Sorgen fern…“ so lautet der Text eines bekannten türkischen Wiegenliedes, das alle darauf gemeinsam anstimmten.
        „Bei uns in Pakistan, einem muslimisch geprägten Land gibt  es sehr wenige Gute-Nacht-Lieder“, erklärte eine pakistanische Mutter. Getrennte Betten von Eltern und Kindern gäbe es selten.  Daher werden Gebete gesungen, die Farrah Malhi und Safeer Hayat vor der Gruppe mit einer wunderschönen Melodie in ihrer Sprache anstimmten: „Ich schlafe ein in Gottes Namen…“. Dabei werde das Kind in den Armen der Mutter mit rhythmischem Händeklopfen in den Schlaf geschaukelt. Auch in Montenegro halten die Mütter beim Singen ihre Kinder im Arm und sie werden mit immer wiederkehrenden Worten „Ljulja, Ljulia“ in den Schlaf gewogen. Zilha und Hanna Sabanov zeigten ein weiteres Ritual ihrer Heimat. Das Kind wird auf einer Decke gleich einer Hängematte von Vater und Mutter gemeinsam in den Schlaf geschaukelt. Salma Abbas aus Ägypten erzählte den etwa 50 Anwesenden die Geschichte vom Hasen, der es müde ist, immer nur Karotten und Salat zu bekommen, in die Welt hinausgeht und merkt, dass ihm weder das Heu vom Pferd, das Getreide vom Huhn oder das Fleisch vom Löwen bekommt und friedlich in die Arme seiner Haseneltern zurückfindet.
        Einen besonderen Applaus bekamen an diesem Abend drei Schülerinnen aus Sri Lanka aus der Hausaufgabenhilfe mit einer selbst geschriebenen Gutenacht-Geschichte. Die Geschichte erzählt von Max, der in der Schule gemobbt wird, weil er noch im Kinderbettchen liegt. Ein größeres Bett wird angeschafft und zuletzt kann Max doch nur in seinem vertrauten Kinderbett einschlafen. Dabei, so die Schülerinnen, gehe es darum, „dass man nicht auf andere hören, sondern seinen eigenen Weg gehen sollte“.
        Gabrielle Novotnyaus Sardinien stimmte das bekannte Lied von Brahms „Guten Abend, gut Nacht“ in italienischer Sprache an, das dann alle gemeinsam mit Wiebke Friedrich nochmals in deutscher Sprache anstimmten.
        An diesem Abend wurde klar, dass sich die Rituale von Müttern und Kindern unterschiedlicher Herkunft und Religion zur Guten Nacht ähneln. Sie erleichtern den Kindern den Weg ins Leben, geben Orientierung und Sinn für ihr Leben und stärken die Bindung zwischen Eltern und Kindern.
        Eine 84-jährige Teilnehmerin aus Mörfelden erinnerte sich, aufgewachsen in Kriegszeiten, in denen viel gearbeitet wurde: „Aber als Betthupferl gab es einen halben Apfel“.  
        Auch das Betthupferl gibt es in allen Kulturen.  In einer kleinen Pause wurden die mitgebrachten Süßigkeiten, Kakao und Tee verteilt und zum Abschied wünschten sich die 50 Besucher/Innen gegenseitig in ihrer Sprache eine Gute Nacht.
        Einfühlsam hat Zentrumsleiterin Kristin Flach-Köhler mit diesem einmaligen Angebot einen wunderbaren Rahmen geschaffen, bei dem sich Eltern und Kinder unterschiedlicher Herkunft zum ersten Mal begegnen konnten und in vertrauensvoller  Umgebung viel Wertschätzung füreinander und Gemeinsamkeiten entdeckten.

        Heidi Förster/ Öffentlichkeitsarbeit

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