Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Gemeindemitglieder sowie Menschen aus dem öffentlichen Leben waren gekommen, um gemeinsam auf drei Jahrzehnte kirchlicher Arbeit zurückzublicken und der langjährigen Gemeindepfarrerin für ihr Engagement zu danken.
Als Andrea Schätzler-Weber 1996 gemeinsam mit ihrer Familie nach Mörfelden kam, war sie 34 Jahre alt. Zunächst teilte sie sich die Pfarrstelle im Pfarrbezirk I mit Roswitha Velte-Hasselhorn. In den folgenden Jahren prägte sie das Gemeindeleben maßgeblich mit – zunächst im Team mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen, seit Januar 2025 schließlich allein in der Kirchengemeinde.
Ihr Weg ins Pfarramt war dabei keineswegs von Anfang an vorgezeichnet. Geboren in Lorsch und aufgewachsen in Bensheim-Auerbach, engagierte sie sich bereits als Jugendliche intensiv in ihrer Kirchengemeinde. Nach der Konfirmation gründete sie mit anderen Jugendlichen eine eigene Gruppe, übernahm die Gestaltung des Kindergottesdienstes und sammelte früh Erfahrungen in der Gemeindearbeit. Mit gerade einmal 18 Jahren hielt sie ihre erste Predigt.
Nach dem Abitur begann sie in Heidelberg zunächst ein Studium der Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie. Schließlich entschied sie sich für die Evangelische Theologie. Das Studium führte sie unter anderem für ein Jahr nach Wien. Auch dort blieb die Musik ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens: Sie sang in Chören und wirkte bei Aufführungen in großen Wiener Kirchen mit. Musik, Kunst und kulturelle Vielfalt sollten sie auch während ihrer späteren beruflichen Laufbahn begleiten.
Nach dem ersten theologischen Examen folgten das Vikariat in der Michaelsgemeinde in Darmstadt und ein Spezialvikariat im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Dabei erhielt sie die Gelegenheit, eigene Beiträge für Radiosender wie RPR und FFH sowie für die „Hessenschau“ zu produzieren. Diese Erfahrungen erweiterten ihren Blick auf Kirche und Öffentlichkeit.
In Mörfelden fand Andrea Schätzler-Weber schließlich ihre berufliche Heimat. Besonders am Herzen lagen ihr die Konfirmanden- und die Jugendarbeit sowie die Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Fast 300 Taufen, rund 500 Konfirmandinnen und Konfirmanden, etwa 100 Trauungen und rund 800 Beerdigungen stehen beispielhaft für die vielen Begegnungen und Lebensgeschichten, an denen sie in drei Jahrzehnten Anteil nehmen durfte.
Die Arbeit mit Jugendlichen bezeichnet sie rückblickend als besonderes Geschenk. Gerade das Alter von 13 bis 14 Jahren sei eine spannende Lebensphase, in der sich vieles entwickle. Es sei ihr immer wichtig gewesen, jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen Anregungen zu geben und zugleich von ihrer Lebenswelt zu erfahren. Die Jugendlichen hätten sie selbst jung gehalten.
Auch über die klassische Gemeindearbeit hinaus setzte sie wichtige Impulse. Familiengottesdienste, kulturelle Veranstaltungen, Frauenarbeit, Bibelgesprächskreise und musikalische Projekte gehörten ebenso zu ihrem Wirken wie die Mitgestaltung besonderer Themen- und Festgottesdienste. Projekte wie der Biblische Garten und „Engel der Kulturen“ beziehungsweise „Engel der Religionen“ zeugen von ihrem Interesse an interkulturellem und interreligiösem Austausch. Seit 2001 engagierte sie sich zudem im Vorstand der Diakoniestation und übernahm dort Verantwortung. Neun Jahre lang gehörte sie dem Dekanatssynodalvorstand an. Auch auf Ebene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau brachte sie ihre Erfahrungen in der Konfirmandenarbeit ein.
Wichtig war ihr dabei stets das Miteinander. Sie verstand sich als Teamplayerin, die gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen Ideen entwickeln, Projekte anstoßen und Menschen zusammenbringen wollte. Dass so vieles möglich wurde, verdanke sie vor allem den engagierten Ehrenamtlichen und den motivierten hauptamtlichen Mitarbeitenden, betont sie selbst.
Ihr Verständnis vom Pfarramt ist geprägt von der Nähe zu den Menschen. Seelsorge, Spiritualität und die Begleitung in Übergangs- und Krisensituationen gehörten für sie zu den wichtigsten Aufgaben. Dabei war es ihr ein Anliegen, auch komplexe theologische Inhalte so zu vermitteln, dass sie für die Gemeinde verständlich und im Alltag greifbar werden. Der Glaube sei für sie die Lebensbasis und die Grundlage ihres Handelns.
Mit Blick auf die Zukunft der Kirche wünscht sie sich, dass diese sich stärker auf ihre eigentlichen Grundlagen besinnt und ihre Botschaft weiterträgt. Menschen suchten Halt und Orientierung. Kirche müsse deshalb Angebote entwickeln, die tatsächlich bei den Menschen ankommen und persönliche Nähe ermöglichen. Dabei dürfe sie sich nicht zu sehr in Strukturprozessen und Verwaltung verlieren.
Auf ihre 30 Jahre in Mörfelden blickt Andrea Schätzer-Weber mit großer Dankbarkeit zurück. „Ich war und bin gerne Gemeindepfarrerin“ beschreibt sie ihre Verbundenheit mit diesem Beruf.
Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand bleibt sie Mörfelden treu. Sie wird weiterhin in Mörfelden wohnen und kann sich vorstellen, gelegentlich Gottesdienstvertretungen zu übernehmen und sich auch künftig auf die eine oder andere Weise im Ort einzubringen. Darüber hinaus freut sie sich auf mehr Zeit für Familie, Freunde, Reisen, Architektur, Kunst und Musik. Ihr Sohn lebt inzwischen in München, und zwei Enkel bereichern das Familienleben.
Mit dem Festgottesdienst am 1. November ging eine prägende berufliche Lebensphase zu Ende.
Zurück bleiben drei Jahrzehnte voller Begegnungen, seelsorgerlicher Begleitung, gemeinschaftlicher Projekte und persönlicher Verbundenheit. Die Evangelische Kirchengemeinde Mörfelden verabschiedet eine Pfarrerin, die das Gemeindeleben über viele Jahre mit Offenheit, Kreativität und großem persönlichem Einsatz gestaltet hat.
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