Zu Beginn wurde von den Workshop-Leiterinnen Hannah Prawitz und Annalena Baasch der Begriff Rechtspopulismus eingeordnet als eine menschen- und demokratiefeindliche Ideologie. Bedrohungsszenarien werden konstruiert mit Begriffen wie „Flüchtlingswelle“, „Klimahysterie“ oder „wir werden bedroht“, wogegen sich das angeblich einheitliche Volk als „wir“ schützen muss gegenüber den „Anderen“, den „Asyltouristen“ oder den „Links-Grün-Versifften“. Komplexe Probleme werden vereinfacht und Emotionen gezielt angesprochen. Es wurde deutlich, dass solche Kommunikationsmuster häufig auf Zuspitzung und Provokation setzen – was sachliche Diskussionen erschwert.
Der Ansatz der „radialen Höflichkeit“ setzt genau hier an. Statt auf Konfrontation oder moralische Überlegenheit zu setzen, geht es darum, ruhig, respektvoll und zugleich standhaft zu reagieren. Dabei helfen folgende Vorgehensweisen: „Bleib cool, stelle offene Fragen, höre zu, kritisiere höflich, agiere selbst“.
Höflichkeit wird nicht als Schwäche verstanden, sondern als bewusste Strategie, um Gesprächsräume offen zu halten und Eskalation zu vermeiden. Die Teilnehmenden übten, wie man Aussagen hinterfragt, ohne das Gegenüber persönlich anzugreifen, etwa durch Nachfragen „Wie meinst du das genau?“ oder das Spiegeln von Argumenten. Ein zentraler Bestandteil des Workshops waren praktische Übungen. In Rollenspielen wurden typische Alltagssituationen simuliert, etwa Diskussionen im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz. Die Teilnehmenden probierten verschiedene Reaktionsweisen aus und reflektierten anschließend deren Wirkung. Dabei zeigte sich, dass höfliche, interessierte Nachfragen häufig dazu führen können, dass Gesprächspartner ihre Aussagen selbst relativieren oder genauer erklären müssen. Darüber hinaus wurde betont, wie wichtig es ist, Grenzen zu setzen. Radikale Höflichkeit bedeutet nicht, jede Aussage unwidersprochen zu lassen. Vielmehr geht es darum, klar zu widersprechen, ohne zu beleidigen. Formulierungen wie „ich sehe das anders, weil…“ oder „Das empfinde ich als problematisch, weil…“ sind hilfreich. Es wurde deutlich, dass Selbstkontrolle und Empathie zentrale Voraussetzungen für radikal höfliche Kommunikation sind.
Anschließend lässt sich festhalten, dass der Workshop nicht nur konkrete Gesprächstechniken vermittelte, sondern auch zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Kommunikationsverhalten anregte. Radikale Höflichkeit kann ein wirksames Mittel sein, um Dialoge aufrechtzuerhalten und Polarisierung entgegenzuwirken – vorausgesetzt, sie wird mit Klarheit und Haltung verbunden.
Die 14 Teilnehmenden waren sich einig, dass selbst der kleinste Schritt Wirkung zeigen kann und Schweigen Zustimmung bedeutet. Bildungsbeauftragte Johanna Becker, die diesen Workshop gemeinsam mit der Bildungsbeauftragten Elke Deul vom Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim organisiert hatte, kam zu dem Schluss: „Es liegt an uns, dass wir nicht die Stillen bleiben“.
- Nachbarschaftsräume
- Arbeitsstellen
- Veranstaltungen
- Über uns
- Kontakt
- Nachbarschaftsräume
- Arbeitsstellen
- Veranstaltungen
- Über uns
- Kontakt